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Was ist eine "soziale Phobie"?

Etwa 5 bis 10% aller Kinder und Jugendlichen leiden irgendwann einmal in ihrer Kindheit bzw. Jugend an einer sozialen Phobie. Damit ist diese eine der häufigsten psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter.

Soziale Phobien im Kindes- und Jugendalter zeichnen sich durch anhaltende und wiederkehrende Furcht vor fremden oder unvertrauten Personen (sowohl Gleichaltrigen als auch Erwachsenen) aus. Aufgrund dessen wird der Kontakt zu unbekannten Menschen möglichst gemieden oder sogar verweigert. Es ist für die Betroffenen jedoch kein Problem, zu vertrauten Personen befriedigende Beziehungen aufzubauen und aufrecht zu erhalten.
Ein weiteres Merkmal sozialer Phobien ist Bewertungsangst. Damit ist eine ausgeprägte und anhaltende Angst gemeint, die sich einerseits auf Leistungssituationen und andererseits generell auf die Bewertung durch andere Menschen bezieht.

Für sozial phobische Kinder sind die häufigsten angstauslösenden Situationen solche, die öffentliches Sprechen beinhalten (z.B. in der Klasse etwas zu sagen oder vor anderen Menschen etwas vorzutragen). Etwa 60% dieser Situationen treten in der Schule auf. Weitere Beispiele für ängstigende Situationen sind alleine einzukaufen, zu telefonieren, auf Kindergeburtstage zu gehen, mit Autoritätspersonen zu sprechen oder mit Gleichaltrigen in Kontakt zu kommen.

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Wie zeigt sich soziale Angst?

Die beschriebenen Ängste äußern sich auf mehreren Ebenen. Auf der körperlichen Ebene zeigen sich beispielsweise Symptome wie Schwitzen, Herzklopfen, Bauchschmerzen, Zittern, Unruhe oder Anspannung. Auf der kognitiven (gedanklichen) Ebene sorgen sich die Betroffenen vor allem über die eigene Unzulänglichkeit. Typisch ist hier, dass die Person befürchtet, ein peinliches oder unangemessenes Verhalten zu zeigen und von anderen als dumm, schwach oder ängstlich wahrgenommen zu werden, ohne dass dies notwendigerweise tatsächlich zutrifft. Auch ein Gefühl von "Gedankenleere" kann auftreten. Auf der Verhaltensebene zeigt sich hauptsächlich die Vermeidung von sozialen oder potentiell bedrohlichen Situationen, wie z.B. im Mittelpunkt zu stehen oder sich Bewertungen auszusetzen. Weiterhin wird von Betroffenen oftmals der Blickkontakt gemieden und nur wenig oder sehr leise gesprochen.

Bei Kindern, die unter sozialen Ängsten leiden, können sich diese Ängste altersgemäß auch in Reaktionen wie Anklammern, Schreien, Wutanfällen oder einem Gefühl von "Gelähmtsein" äußern.


Welche Folgen können soziale Phobien haben?

Anders als psychische Störungen, die sich eher nach außen hin zeigen (z.B. ADHS oder Störungen des Sozialverhaltens), werden Angststörungen häufig nicht erkannt und behandelt. Eine Behandlung klinisch relevanter sozialer Ängste ist jedoch von großer Wichtigkeit, da sich die Störung unbehandelt häufig bis ins Erwachsenenalter fortsetzt und die Entwicklung des Kindes nachhaltig beeinträchtigen kann.

Erfolgt keine gezielte Intervention, können die Kinder und Jugendlichen aufgrund der Vermeidung des Kontakts zu anderen Menschen keine adäquaten sozialen Kompetenzen erwerben und sind dadurch im Aufbau von Freundschaften eingeschränkt. Dies hindert sie daran Erfahrungen mit Gleichaltrigen zu sammeln, die für die Entwicklung von Individualität, Unabhängigkeit und einer eigenen Identität bedeutsam sind. Zudem kann ihnen durch fehlende enge Freundschaften eine wichtige emotionale Ressource, die bei der Bewältigung schwieriger Situationen hilfreich sein kann, möglicherweise nicht zur Verfügung stehen.

Weiterhin treten in Folge der sozialen Ängste häufig Schulschwierigkeiten auf. Viele sozial ängsltiche Kinder scheuen den Kontakt zu Mitschülern, haben Hemmungen, Lehrer anzusprechen, sind in ihrer mündlichen Beteiligung eingeschränkt und leiden unter Prüfungsängsten.

Soziale Ängste stellen zudem einen Risikofaktor für weitere psychische Probleme wie andere Angststörungen oder Depressivität dar.
 

Wie kann man soziale Phobien behandeln?

 
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Es gibt einige Interventionen, die sich als erfolgreich in der Behandlung der sozialen Phobie herausgestellt haben. So hat sich eine Kombination aus kognitiven Verfahren, bei denen die negativen Bewertungen der Menschen mit sozialen Ängsten im Vordergrund stehen, und Expositionsverfahren, bei denen man sich in die gefürchteten Situationen hineinbegibt, sich der Angst stellt und alternative Verhaltensweisen ausprobiert, als besonders wirksam erwiesen.
Nach wie vor besteht bezüglich effektiver therapeutischer Verfahren jedoch großer Forschungsbedarf, es gilt weiterhin, speziell auf die Symptomatik zugeschnittene Therapie- oder Trainingsmethoden zu entwickeln, sowie herauszufinden, welche Hilfe sozial phobischen Kindern am besten zuteilwerden sollte und inwiefern es sinnvoll ist, die Eltern in die Behandlung miteinzubeziehen.

Um Behandlungsansätze zu entwickeln, ist es zunächst wichtig zu verstehen, wie soziale Ängste entstehen und aufrechterhalten werden.
Aus diesem Grund beschäftigen wir uns in unserem Forschungsprojekt "Mut steht dir gut!" damit, aufrechterhaltende Faktoren der sozialen Phobie im Kindesalter zu untersuchen. Des Weiteren führen wir ein bewährtes kognitiv-verhaltenstherapeutisches Therapieprogramm mit den teilnehmenden Kindern durch, um die genaue Wirkweise der Therapie systematisch zu untersuchen und daraus Schlüsse für einen weitere Optimierung therapeutischer Methoden ziehen zu können.

 

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