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Kurzbeschreibung

In diesem Artikel soll es darum gehen, zu erläutern was Wissenskommunikation bedeutet, wie die Kommunikation zwischen zwei Kommunikationspartnern abläuft, welche grundlegenden Positionen und Ansichten verschiedener Autoren zu diesem Thema existieren. Des weiteren soll auf die netzbasierte Kommunikation eingegangen werden, welche Probleme sich hierbei ergeben und welche Möglichkeiten bestehen.

  • Keysar & Clark (Kommunikation)
  • Nickerson (Kommunikation)
  • Bromme (netzbasierte Kommunikation)
  • Nückles (netzbasierte Kommunikation, Experten-Laien Wissen)

Artikel

Grundgedanken Clarks:

Herbert Clarks Grundgedanke ist, dass jeder Sprecher sich grundsätzlich auf seine(n) Zuhörer einstellt. Vor einer Äußerung wird eine Einschätzung des Wissens des Zuhörers vorgenommen. Es wird versucht eine Basis des gemeinsamen Wissens zu schaffen. Dieses geteilte Wissen , über welches beide Kommunikationspartner verfügen, nennt Clark den „Common Ground“. Die Kommunikation wird über das so genannte "Grounding" koordiniert. Der Sprecher aktualisiert seine Annahmen über den „common ground“ kontinuierlich während des fortlaufenden Gesprächs. Clark nennt dieses Einstellen auf die Zuhörerschaft „audience design“, mit anderen Worten: jede Äußerung wird von vorne herein auf den jeweiligen Zuhörer angepasst. Nun stellt sich die Frage, wie genau sich solche Anpassungen für den jeweiligen Zuhörer treffen lassen. Wie schafft es der Sprecher, den „Common Ground“ richtig abzugrenzen und einzuschätzen? Clark nennt hierzu drei Heuristiken, die verwenden werden.

  • Physical Co-presence Heuristik: Objekte die für beide Gesprächspartner sichtbar sind, können als Wissen für alle vorausgesetzt werden.
  • Community Membership Heuristik: Die soziale oder fachliche Zugehörigkeit wird verwendet, um auf das jeweilige Wissen des Kommunikationspartners zu schließen.
  • Linguistic Co-presence Heuristik: Das bisherige Gespräch kann als Wissen vorausgesetzt werden.

Ebenfalls gibt es die Möglichkeit, aufgrund der Mimik und Gestik seines Gegenüber das jeweilige Verständnis/Unverständnis zu erkennen und zu reagieren. Des Weiteren ist es möglich auf sprachliche Äußerungen reparierend zu reagieren. Das heisst, durch Erkennung und Einschätzung des Gegenüber, passend zu reagieren. Zum Beispiel Gesagtes noch einmal zu wiederholen oder eine andre Formulierung zu wählen.

Grundsätzlich gilt der „least collaborative effort“, das bedeutet, die Gesprächspartner sind bestrebt, ihren gemeinsamen Aufwand für das „Grounding“ so gering wie möglich zu halten (Clark & Brennan, 1991).

Prozessmodel von Nickerson (1999):

Wie kommen Sprecher zu ihren Annahmen über das Vorwissen ihres Gegenübers, wie genau schätzen sie sein Wissen ein? Die von Clark besagten Heuristiken finden hier Verwendung. Nickerson unterteil den Prozess in folgende drei Abschnitte.

  • In der ersten Phase versucht der Sprecher abzuschätzen, was an seinem eigenen Wissen im Vergleich zum Wissen des Kommunikationspartners besonders ist. Das heisst, der Sprecher versucht zu ermitteln, wie er sein eigenes Wissen mitteilen muss um es seinem Gegenüber verständlich zu machen. Also abzuwägen was leicht und was schwer zu verstehen sein könnte. Es wird jedoch angenommen, dass diese Phase subjektiv und nicht direkt steuerbar ist. (Default Model)
  • Weiterführend wird in einer zweiten Phase das Wissen über die jeweilige Person miteinbezogen. Hierfür wird unter anderem die soziale Herkunft sowie auch persönliche Informationen über die jeweilige Person miteinbezogen. (Initial Model)
  • In der dritten und letzten Phase wird nun, bezugnehmend auf das „Initial Model“, ein ständig sich durch das Gespräch entwickelndes „Working Model“ kreiert. Dieses "Model" wird ständig aktualisiert und bassiert auf den zuvor aus den ersten beiden Models gewonnenen Informationen.

Grundgedanken Keysars:

Keysar teilt Clarks Meinung nur teilweise, er geht davon dass ein Sprecher nicht dazu in der Lage sei, den „Common Ground“ richtig einzuschätzen. Er geht viel eher davon aus, dass von Seiten des Sprechers ein egozentrisches Bias besteht. Das bedeutet, der Sprecher geht nicht etwa zuerst auf sein Publikum ein, sondern geht zu allererst von seinem eigenen Standpunkt aus. Nun beobachtet der Sprecher, wie das Gesagte beim Publikum ankommt. Keysar nennt dies „Monitoring“. Gibt es nun Anzeichen, dass der Zuhörer das Gesagte nicht verstanden hat, wird die Äußerung angepasst. Dieser Prozess erfolgt nun so lange, bis der Sprecher der Meinung ist, dass der Zuhörer das Gesagte nun verstanden hat. Dies bezeichnet Keysar als „Adjustment“. In Keysars Modell wird der „Common Ground“ also kontinuierlich im Laufe des Gesprächs aufgebaut.

Computergestützte Settings:

Betrachten wir nun einmal was aufgrund der oben genannten Theorien für computergestützte Settings resultiert. Nach Clark und Brennan (1991) gibt es acht verschiedene Eigenschaften, die Kommunikationsmedien besitzen.

  • Copresence (befindet sich der Gesprächspartner im selben Raum?)
  • Simultaneity (können beiden gleichzeitig agieren?)
  • Visibility (Sichtkontakt?)
  • Audibility (Können sie sich hören?)
  • Cotemporality (Instant Messaging, wird gesagtes sofort empfangen?)
  • Sequentiality (Reihenfolge der Nachrichten gegeben?)
  • Reviewability (Kann auf vergangene Nachrichten zurück gegriffen werden?)
  • Revisability (Änderung / Korrektur Mitteilung)

Vergleichen wir einmal die Face to Face Kommunikation mit einer Email Korrespondenz. Bis auf die letzten beiden Eigenschaften, besitzt die Face to Face Kommunikation alle von Clark genannten Eigenschaften. Diese beiden Dimensionen sind bei der Email Korrespondenz jedoch gegeben, was auch bezeichnend für die schriftliche Kommunikation ist.

Der Vergleich zeigt, dass die Kommunikation über Medien nicht unbedingt im Nachteil gegenüber der Face to Face Kommunikation ist. Nimmt man als weiteres Beispiel Datei Sharing und Datei Freigaben ergibt sich für die Physical Co-presence Heuristik eine ganz neue Dimension, da es hier möglich ist, alle gewünschten Objekte dem Kommunikationspartner zur Verfügung zu stellen. Ebenso ist es bei der Linguistic Co-presence Heuristik durch Dokumentation bzw. Archivierung von Nachrichten auch hier einfacher, den „Common Ground“ zu erweitern. Negative Auswirkung kann es jedoch bei der Community Membership Heuristik geben, da die visibility nicht immer gegeben ist und eine Einschätzung und Einordnung in eine soziale Schicht nur sehr schlecht oder gar nicht möglich ist.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die „Common Ground Theorie“ von Clark grundsätzliche Vergleiche zulässt. Um jedoch genaue Vergleiche anzustellen, ist eine weitere ausführlichere Differenzierung nötig. Was wiederum auch auf die ständig neuen Kommunkationstechnologien zurückzuführen ist. Zum Beispiel wird bei visibility nicht zwischen face to face und per Webcam unterschieden.

Computervermittelte Experten-Laien-Kommunikation

1. Allgemeine Probleme zwischen Laien und Experten:

  • Common-Ground-Problem: In der Kommunikation von Laien und Experten ergeben sich aus unterschiedlicher Wissensbasis, unterschiedlichen Vorkenntnissen oder auch Ansichten Schwierigkeiten.
  • Experten unterschätzen oft die Schwierigkeiten, die ein Laie hat. Da für Experten manche Probleme alltäglich sind, fällt es ihnen oft schwer nachzuvollziehen, wie kompliziert sich ein Problem für den Laien darstellt.
    • Experten fällt es schwer, das Wissen des Laien abzuschätzen.
    • Experten überschätzen die Allgemeinheit ihres eigenen Wissens.
    • Sie nehmen irrtümlich eine Übereinstimmung ihres Wissens mit dem des Gegenübers an ("False Consensus Effect").
    • Das eigene Wissen des Experten wirkt sich also unbewusst negativ auf die Abschätzung des Wissens anderer aus („Curse of Knowledge“).
    • Die Laien hingegen sind nicht in der Lage, den für sie schwierigen Denkprozessen der Experten zu folgen, da ihnen hierfür das nötige Vorwissen fehlt.
    • Laien haben häufig subjektive Theorien zu einem Expertisebereich, die das Verständnis noch erschweren können.

2. Probleme in der computervermittelten Kommunikation zwischen Laien und Experten:

In unserer heutigen Wissensgesellschaft spielt Kommunikation über das Internet eine immer größere Rolle. Sie kann entweder synchron (z.B. Chat) oder asynchron (Email, Foren, Help-Desk) gestaltet sein. Asynchrone, d.h. zeitversetzte Kommunikation, wird in der Regel für Online-Beratung verwendet (z.B. für eine medizinische Online-Beratung). Dabei hat das Internet die Funktion, Laien zu helfen, informierte Entscheidungen zu treffen. Diese Art von Kommunikation ist ein Spezialfall von Experten-Laien-Kommunikation, wobei der Fragesteller (z.B. Patient) als Laie und sein Gegenüber (z.B. Mediziner) als Experte bezeichnet wird. Ein Vorteil von asynchroner Kommunikation gegenüber synchroner „Schlag-auf-Schlag-Kommunikation“ ist, dass sowohl Laie als auch Experte genügend Zeit haben, sich über das Problem Gedanken zu machen, was für das Verständnis auf beiden Seiten förderlich ist. Bei der nonverbalen asynchronen Kommunikation gibt es aber gegenüber der verbalen Face-to-Face Kommunikation auch einige Nachteile:

  • Schriftliche Antworten nehmen viel Zeit in Anspruch.
  • Nonverbales Feedback fehlt.
  • Weniger Kommunikationskanäle - es wird kein Bild oder Ton übertragen.
  • Keine feste Abfolge von Nachrichten.
  • Schwierigkeiten bei der Problembeschreibung - oft fehlen dem Laien die nötigen Fachkenntnisse, um das Problem exakt zu beschreiben.
  • Wichtige Schlüsselbegriffe werden vergessen, was die Kommunikationseffizienz verschlechtert.

Der Einfluss von Wissensunterschieden ist in computervermittelter Kommunikation also größer, als in face-to-face Settings.

Literatur

  • Bromme, R., Jucks, R., Runde, A. (2003). Barriers and Biases in Computer-Mediated Expert-Layperson-Communication. In: R. Bromme, F.W. Hesse, H. Spada, (Hrsg.), Barriers and Biases of Computer-Mediated Knowledge Communication and how they may be overcome (S.89-118). Heidelberg: Springer Verlag.
  • Clark, H.H., Brennan, S.A. (1991). Grounding in Communication. In Resnik,L.B., Levine, J.M. & Teasley, S.D. (Eds.). Perspectives on socially shared Cognition. Washington: APA Books.
  • Gerring,R.J., Brennan, S.E., Ohaeri, J.O. (2000). What can we conclude from Speakers behaving badly? Discourse Processes, 29(2), 173-178.
  • Keysar,B. (2000). The Illusory Transparency of Intention: Does June understand what Marc means because he means it? Discourse Processes, 29(2), 161-172.
  • Rummel, N. & Meier, A. (im Druck). Common Ground. In N. Krämer, S. Schwan, D. Unz, & M. Suckfüll (Hrsg.), Medienpsychologie: Schlüsselbegriffe und Konzepte. Reihe: Lehr- und Studienbücher der Medienpsychologie. Stuttgart: Kohlhammer.
  • Skripte WS 05 / 06

Gruppenmitglieder

  • Stephanie Anton
  • Simon Franz
  • Sebastian Sebald
  • Benjamin Lieberwirth

Siehe auch


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