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Inhalte und Berufsfelder der Psychologie

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass sich die Psychologie hauptsächlich mit gestörtem Verhalten und psychischen Problemen beschäftigt. Eine andere populäre Ansicht ist die Gleichsetzung von Psychologie und Psychoanalyse - der Therapie auf der berühmten "Couch". Beides sind aber nur einzelne Themenbereiche der Psychologie, die darüber hinaus noch viele weitere und ganz andere Gesichter hat.

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Psychologie ist zuallererst ...

... eine Wissenschaft

Die Psychologie ist eine empirische Wissenschaft, die sich mit dem Erleben und Verhalten des Menschen beschäftigt.

  • ... empirisch, d.h. psychologische Annahmen, Theorien, Modelle und Hypothesen werden anhand von konkreten Beobachtungen und Daten aus wissenschaftlichen Experimenten überprüft.
  • ... Wissenschaft, d.h. die Psychologie hat zum Ziel, menschliches Erleben und Verhalten zu beschreiben, zu erklären und vorherzusagen. Dabei bewegt sie sich im Schnittfeld von Geisteswissenschaften (Hermeneutik: Verstehen und Interpretieren) und Naturwissenschaften (experimentelle Psychologie: erklären und vorhersagen).
  • ... Erleben, d.h. Wahrnehmen, Denken, Fühlen, Wollen, Erinnern.
  • ... Verhalten, d.h. soziales Handeln, Kommunikation, Problemlösen.

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Psychologie beinhaltet außerdem ...

... unterschiedliche Fachgebiete

Innerhalb der Psychologie wird zwischen Grundlagen-, Methoden- und Anwendungsfächern unterschieden.

Grundlagenfächer
  • Entwicklungspsychologie: beschäftigt sich mit den Veränderungen im Erleben und Verhalten des Menschen im Laufe des Lebens, z.B. die Entwicklung bestimmter Fähigkeiten und Funktionen

    Die Jimmy-und-Johnny-Zwillingsstudie (Myrtle McGraw): Im Jahr 1932 untersuchte die Psychologin Myrtle McGraw an den eineiigen Zwillingen Jimmy und Johnny Woods wie sich Frühfördermaßnahmen auf die motorische Entwicklung von Kindern auswirken. Vom zwanzigsten Tag nach der Geburt an durchlief Johnny ein rigoroses Förderprogramm, während Jimmy lediglich einige wenige Spielsachen zur Verfügung hatte ... (mehr)

  • Biologische Psychologie: behandelt die physischen Funktionsbereiche, die sich auf Erleben und Verhalten auswirken, z.B. Physiologie, Anatomie, neuronale Prozesse, Genetik, Endokrinologie

    Das Pin-up-Girl-Experiment (Eckhard Hess): Im Jahr 1960 etablierte der Psychologe Eckhard Hess ein neues Forschungsgebiet: er untersuchte die Verbindung zwischen Pupillengröße und Gehirntätigkeit indem er seinem Assistenten Fotos einer halbnackten Frau zeigte ... (mehr)

  • Sozialpsychologie: beschäftigt sich mit Prozessen innerhalb und zwischen sozialen Gruppen und deren Auswirkungen auf das Erleben und Verhalten des Menschen, z.B. Gruppenprozesse und Rollenhandeln

    Das Milgram-Experiment (Stanley Milgram): Im Jahr 1961 entwickelte der junge Assistenzprofessor Stanley Milgram ein psychologisches Experiment mit dem er die Bereitschaft von durchschnittlichen Personen zum unbedingten Gehorsams gegenüber Autoritäten testen wollte. Es wurde zum umstrittensten Experiment der Sozialpsychologie und führte zur Formulierung ethischer Richtlinien ... (mehr)

  • Allgemeine Psychologie: erforscht allgemeingültige Gesetzmäßigkeiten in grundlegenden psychischen Funktionsbereichen

    Allgemeine Psychologie I: Bereiche Wahrnehmung, Gedächtnis und Wissen, Denken und Problemlösen, Sprache und Sprachverstehen

    Allgemeine Psychologie II: Bereiche Lernen, Emotion, Motivation und Handlungssteuerung

    Das Revolverexperiment (William Stern): Im Jahr 1901 wurde an der Universität Berlin, angeregt durch den Psychologen William Stern, ein Gedächtnistest der besonderen Art durchgeführt: In einer Vorlesung im kriminalistischen Seminar zog ein Zuhörer einen Revolver ... (mehr)

  • Differentielle Psychologie und Persönlichkeitsforschung: behandelt individuelle Unterschiede zwischen Personen und innerhalb einer Person in grundlegenden psychischen Funktionsbereichen, z.B. Personenwahrnehmung, Intelligenz

    Der IQ-Krieg (Harold Skeels): In den 1930er Jahren führte der Psychologe Harold Skeels ein gewagtes Experiment durch: er verlegte geistig zurückgebliebene Kleinkinder aus einem Waisenhaus in ein Heim für geistig Behinderte, um sie "normal" zu machen ... (mehr)

Methodenfächer
  • Methodenlehre: behandelt die Grundlagen psychologischer Forschung - das "Handwerkszeug" eines/-r jeden Psychologen/-in; dazu gehören u.a. Wissenschaftstheorie, Berufsethik, Statistik, Versuchsplanung, Forschungsmethodik, Evaluationsforschung

    Der kluge Hans (Oskar Pfungst): Im Jahr 1904 enttarnte der Psychologie Oskar Pfungst das klügste Pferd der Welt und entdeckte gleichzeitig einen der größten Störfaktoren jedes Experiments: den "Versuchsleitereffekt" ... (mehr)

  • Psychologische Diagnostik und Intervention: beinhaltet das systematische Sammeln und Aufbereiten von Informationen über Personen, Gruppen, Institutionen, Situationen (z.B. mittels Tests, Fragebogen, Interviews, Verhaltensbeobachtung); sie hat dabei zum Ziel, diagnostische Entscheidungen (z.B. über Art einer Erkrankung/Störung, Studienzulassung, Eignung für einen Beruf, Fahrtauglichkeit, Bewerberselektion bei der Bewerbung um eine Stelle) auf der Basis dieser Informationen zu treffen und evtl. Handlungsempfehlungen für geeignete Interventionen zu geben (z.B. Psychotherapie, Weiterbildung, Coaching)

    Der Scheinpatient (David Rosenhan): Im Jahr 1968 brachte der Psychologieprofessor David Rosenhan die traditionelle Psychiatrie in ernsthaft Erklärungsnot: er testete in einem Selbstversuch wie lange es dauert bis ein gesunder Patient aus einer psychiatrischen Klinik entlassen wird ... (mehr)

Anwendungsfächer
  • Klinische Psychologie/Rehabilitationspsychologie/Neuropsychologie: untersucht biologische, soziale, entwicklungs- und verhaltensbezogene sowie kognitive und emotionale Grundlagen psychischer Störungen (z.B. Depressionen, Angststörungen Schizophrenie), sowie Auswirkungen dieser Störungen und anderer Erkrankungen (z.B. Krebs, chronische Schmerzen, neurologische Störungen, u.a.) auf das Erleben und Verhalten, z.B. Persönlichkeitsveränderungen

  • Pädagogische Psychologie: erforscht Gesetzmäßigkeiten des Lernens und Bedingungen von Erziehungs-, Unterrichts- und auch Weiterbildungsprozessen und versucht dadurch pädagogische Interaktionsprozesse zu optimieren, z.B. Lernen, Lehren und Verhalten in Schule und Unterricht; Erziehungsberatung

    Der Dr.-Fox-Effekt (John Ware et al.): Im Jahr 1970 zeigten John Ware und seine Kollegen mit ihrem Experiment, dass ein guter Vortragsstil über einen sinnlosen Inhalt hinwegtäuschen kann: Sie engagierten den Schauspieler Michael Fox und schickten ihn als Experten auf eine Weiterbildungs-Konferenz für Mediziner ... (mehr)

  • Arbeits- und Organisationspsychologie: beschäftigt sich mit der Analyse, Bewertung und Gestaltung von Arbeitstätigkeiten (z.B. betriebliche Gesundheitsförderung), sowie mit der  Beschreibung und Veränderung des Erlebens und Verhaltens von Menschen in Organisationen (z.B. in Firmen, Krankenhäusern) und der Bedingungen, die diese Zustände und Veränderungen beeinflussen, z.B. Arbeitsmotivation, Arbeitszufriedenheit

    Die Hawthorne- Experimente (Elton Mayo): In einer Reihe von Studien, die zwischen 1924 und 1932 in der Hawthorne-Fabrik der Western Electric Company in Chicago (USA) durchgeführt wurden, sollte erforscht werden, wie man die Arbeitsleistung von Angestellten steigern kann. Was mit Lichtexperimenten begann, wurde zu den bekanntesten Studien der Arbeitspsychologie. Über ihre Interpretation wird bis heute gestritten ... (mehr)

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Die Arbeit als Psychologe/-in umfasst ...

... viele Berufsfelder

Der Arbeitsmarkt für Psychologen/-innen ist äußerst vielfältig, jede/-r findet seinen/ihren Arbeitsbereich.

Klinische/Rehabilitationspsychologie und Psychotherapie

... immer noch der häufigste Praxisbereich: hier arbeiten mehr als die Hälfte aller Psychologen/-innen als Psychotherapeuten/-innen.

  • Einsatzgebiete: z.B. in der eigenen Praxis, in Allgemeinkrankenhäusern, in psychiatrischen, psychotherapeutischen oder psychosomatischen Kliniken und Ambulanzen, in Rehabilitationskliniken, in Beratungsstellen, in Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe oder in der Behinderten- und Altenbetreuung

  • Tätigkeiten: u.a. Diagnostik und Therapie psychischer Störungen und psychosozialer Beeinträchtigungen nach chronischer Erkrankung, Gutachtenerstellung, Prävention und Gesundheitsförderung, Beratung und Unterstützung von Patienten/-innen und Angehörigen

  • Voraussetzungen: in der Regel eine Therapieausbildung zum/-r Psychologischen Psychotherapeuten/-in an einem anerkannten Ausbildungsinstitut (z.B. FAVT in Freiburg), dafür benötigt man neben dem Bachelor auch den Masterabschluss in Psychologie

Lehre und Forschung

... relativ viele Psychologen/-innen sind auch als wissenschaftliche Mitarbeiter/-innen, Doktoranden/-innen, Dozenten/-innen oder Professoren/-innen angestellt.

  • Einsatzgebiete: z.B. an Universitäten und Forschungseinrichtungen (z.B. Max-Planck-Institute)

  • Tätigkeiten: u.a. Forschung in Drittmittelprojekten und Graduiertenkollegs, interdisziplinäres Arbeiten, Lehre, Wissenschaftsmanagement

  • Voraussetzungen: in der Regel der Master, von Vorteil ist außerdem Forschungserfahrung durch HiWi-Tätigkeiten während des Studiums

Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie

... in diesem Praxisbereich arbeiten ca. ein Zehntel aller Psychologen/-innen in der Personalentwicklung von Unternehmen, bei der Bundesagentur für Arbeit oder selbständig als Trainer/-innen, Coachs oder Unternehmensberater/-innen.

  • Einsatzgebiete: überall dort, wo Menschen arbeiten, z.B. in Wirtschaftsunternehmen (Produktion und Dienstleistung), in der öffentlichen Verwaltung, aber auch vermehrt in sozialen Einrichtungen oder Krankenhäusern.

  • Tätigkeiten: u.a. Analyse von Belastungen am Arbeitsplatz und Verbesserung von Arbeitsabläufen in Organisationen und Betrieben, Personalauswahl, Durchführung von Schulungen z.B. zum Thema Kommunikation, Entwicklung und Einführung von Methoden der Personalführung, Prävention arbeitsplatzbedingter gesundheitlicher Beeinträchtigungen, Berufswahlberatung.

  • Voraussetzungen: Schwerpunkt im Bereich ABO im Studium; Praktika in den genannten Bereichen und eine Zusatzausbildung für Moderationstechniken/ Workshopgestaltung oder zum Coach sind von Vorteil.

Pädagogische Psychologie

... ein wachsender Praxisbereich, der viele Möglichkeiten für Psychologen/-innen eröffnet: einige sind als Schulpsychologen/-innen, ein großer Anteil als Kinder-/Jugendlichen- oder Familientherapeuten/-innen und einige auch als Berufs- und Bildungsberater/-innen tätig.

  • Einsatzgebiete: z.B. im schulpsychologischen Dienst der Bundesländer, in Kinder- und Jugendheimen oder in der Familien-, Erziehungs-, Studien-, Gesundheits- und Bildungsberatung

  • Tätigkeiten: u.a. Beratung bei Lern-/Leistungsschwierigkeiten oder Verhaltensauffälligkeiten in der Schule, Schullaufbahnberatuung, Fort- und Weiterbildungen für Lehrer/-innen, Schulentwicklung, Beratung und Therapie von Kindern/Jugendlichen und deren Familien, Beratung von Studierenden

  • Voraussetzungen: von Vorteil sind Zusatzausbildungen z.B. in systemischer Familientherapie, Gesprächsführung, Schulpsychologie, für die therapeutische Arbeit ist eine Zusatzausbildung zum/-r Kinder-/Jugendlichenpsychotherapeuten/-in unumgänglich

Marktforschung/Werbung

... ein kleinerer Praxisbereich: einige Psychologen/-innen (ca. 7 Prozent) arbeiten als Markt- und Werbeforscher/-innen.

  • Einsatzgebiete: z.B. in Marktforschungsinstituten, Werbeagenturen, Meinungsforschungsinstituten

  • Tätigkeiten: u.a. Meinungsumfragen, Forschung zur subjektiven Wahrnehmung von Produkten und Dienstleistungen, zu Konsumentenurteilen und Kaufverhalten, Motivforschung

  • Voraussetzungen: von Vorteil sind Praktika in diesem Bereich

Forensische Psychologie/Kriminalpsychologie

... ein geringer Anteil aller Psychologen/-innen ist auch als Gutachter/-in bei Gericht oder im Strafvollzug tätig.

  • Einsatzgebiete: z.B. beim Gericht, in Justizvollzugsanstalten oder in sozialtherapeutischen Kliniken

  • Tätigeiten: u.a. Gutachtenerstellung zu verschiedenen Themen (Sorge-/Umgangsrecht, Glaubwürdigkeit, Rückfälligkeit, Schuldfähigkeit), Behandlung von Straftätern/-innen, Forschung zum Thema Kriminalität oder Kriminalprävention

  • Voraussetzungen: für die therapeutische Arbeit ist eine Therapieausbildung zum/-r Psychologischen Psychotherapeuten/-in (s.o.) unumgänglich, von Vorteil ist eine Weiterbildung in Rechtspsychologie (DPA)

Verkehrspsychologie

... auch eine eher kleine Nische: ca. 2 Prozent aller Psychologen/-innen arbeiten als Verkehrspsychologen/-innen.

  • Einsatzgebiete: z.B. beim TÜV, bei Begutachtungsstellen für Fahreignung, bei verkehrspsychologischen Beratungsstellen, bei der Bundesanstalt für Straßenwesen, bei der  Bundesanstalt für Flugsicherung sowie in der Automobil-, Luft- und Raumfahrtindustrie

  • Tätigkeiten: u.a. Beurteilung der Fahreignung von Personen (MPU, sogenannter Idiotentest), Beratung, Rehabilitation und Nachschulung auffälliger Kraftfahrer/-innen, Verkehrserziehung, Sicherheits- und Unfallforschung

  • Voraussetzungen: von Vorteil ist eine Fortbildung zum/-r Fachpsychologen/-in für Verkehrspsychologie (BDP)

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