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Forschungsprogramm

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Graduiertenkolleg "Menschliche und maschinelle Intelligenz"


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Teilthema 1: Wissensverarbeitung

Teilthema 2: Sprachverarbeitung


Einleitung

Das Freiburger Graduiertenkolleg hat ein interdisziplinäres Forschungsprogramm, das Arbeiten aus psychologischen, informatischen und linguistischen Bereichen unter kognitionswissenschaftlicher Perspektive verbindet. Die Schwerpunkte liegen dabei in den Teilthemen Wissensverarbeitung und Sprachverarbeitung. Gemeinsam ist allen beteiligten Forschungsprojekten die kognitionswissenschaftliche Grundthese, daß kognitive Vorgänge als Prozesse der Informationsverarbeitung formalisierbar und algorithmisch modellierbar sind. Die Forschung im Kolleg kombiniert formalwissenschaftliche Analysen (Wissensrepräsentation mit Mitteln der Informatik sowie der theoretischen Linguistik) mit empirischen Methoden (psychologische und psycholinguistische Experimente) und mit den auf die Konstruktion von Systemen zielenden informatischen Methoden - vor allem der Künstlichen Intelligenz, die auch zur Modellierung kognitiver Prozesse beim Menschen geeignet sind.

Teilthema 1: Wissensverarbeitung

Das gemeinsame Interesse der an diesem Themenbereich beteiligten Dozenten besteht in der Erarbeitung kognitiv adäquater und algorithmisch umsetzbarer Methoden zur Wissensrepräsentation und -verarbeitung. Der Bereich läßt sich dabei in drei Schwerpunkte gliedern, die im Kolleg bearbeitet werden:

Schwerpunkt 1: Wissensrepräsentation und Inferenz

In der Künstlichen Intelligenz stellt die Wissensrepräsentation nach wie vor einen zentralen Bereich dar, die in den letzten Jahren vor allem hinsichtlich zweier Themen Fortschritte gemacht hat: a) formale Untersuchungen der Komplexität von Repräsentationsformalismen und der auf diesen operierenden Algorithmen, b) spezielle Verfahren, unter denen fallbasiertes Schließen eine auch aus psychologischer Perspektive interessante Alternative zu üblichen Inferenztechniken darstellt. Im Bereich der Psychologie ist neben der Expertiseforschung in letzter Zeit erneut die Frage nach natürlichen Inferenzprozessen gestellt worden, vor allem hinsichtlich der Hypothese begrenzter Rationalität beim Menschen und anderen biologischen Systemen.

Ontologien für die Wissensrepräsentation; Wiederverwendbarkeit, Adaptierbarkeit und Kombinierbarkeit von Wissensbasen

Udo Hahn

Die Aktivitäten in diesem Bereich dienen der Nutzung unterschiedlichster Ontologien (Thesauri, Klassifikationssysteme, einfacher semantischer Netze wie UMLS oder WordNet, Penman Upper Model) und deren Abbildung auf eine gemeinsame Ontolingua. Dazu werden nicht nur Abbildungen zwischen verschiedenen Sprachen definiert, sondern auch aktiv Wissenslücken durch automatische textbasierte Lernverfahren geschlossen. Der Hauptanwendungsbereich ist derzeit die Medizin. Ziel der Arbeiten ist die Verbesserung der modellgestützten Wiederverwendbarkeit und Integrierung verschiedensprachiger, unterschiedlich granularer Wissensbeschreibungen.


Räumliche Repräsentation im Kontext autonomer, mobiler Agenten

Bernhard Nebel

Eine wichtige Fähigkeit mobiler Agenten ist es, die eigene Position festzustellen, Hindernisse und andere Objekte zu erkennen und Zielpunkte anzufahren. Dafür ist es notwendig, ein Modell der Umgebung aufzubauen und dieses Modell für Navigationsaufgaben zu nutzen. Beim Aufbau des Modells muß man trotz der gegebenen Unsicherheiten der Sensoren versuchen, ein korrektes Modell zu erstellen. Dabei sollten Abweichungen der Umgebung vom Modell nicht zu Fehlorientierungen führen. Diese Aufgabe kann nur durch eine Kombination von probabilistischen und qualitativen Repräsentationsansätzen robust gelöst werden.



Qualitative räumliche und temporale Repräsentation und Wissensverarbeitung

Bernhard Nebel & Gerhard Strube

Falls präzise quantitative Information über räumliche oder zeitliche Konfigurationen nicht erhältlich oder erwünscht ist, können qualitative Beschreibungen benutzt werden. Ob die in der Literatur vorgeschlagenen qualitativen Kalküle zum räumlichen und temporalen Schließen allerdings konzeptuell und inferentiell kognitiv adäquat sind, welche formale Semantik ihnen unterlegt werden kann, welche Berechenbarkeitseigenschaften sie besitzen und was praktikable Inferenzalgorithmen sind (und inwiefern solche als Modelle menschlichen Schlußfolgerns in Bezug auf räumliche Relationen gelten darf), ist bisher allerdings erst in Ansätzen bekannt und wird zur Zeit in Projekten im SPP "Raumkognition" untersucht.



Fallbasiertes Schließen und Repräsentation von Fällen

Gerhard Strube in Kooperation mit Gerhard Weber

CBR (Case-Based Reasoning, fallbasiertes Schließen) stellt ein alternatives Paradigma zu regelbasierten Formen des Problemlösens und Planens dar. Im Zentrum der Forschungsinteressen der Antragsteller steht die Untersuchung psychologisch motivierter Formen der Repräsentation von Fällen, insbesondere die sogenannte "episodische Repräsentation". Von besonderer Bedeutung ist die Nutzung episodischen Wissens bei der Analyse und Diagnose von Problemen und Problemlösungen und ihre praktische Anwendung in wissensbasierten Lehr-/Lernsystemen wie z.B. ELM.



Intuitive und kohärente Bewertung von Ereignissen

Hans Spada

Mit konnektionistischen Modellen der Klasse der Parallel-constraint-satisfaction-Netzwerke (vgl. Holyoak & Thagard) wurde es möglich, Informationsverarbeitungsprozesse zu beschreiben, die sich phänomenal als spontan, intuitiv, schematisch und kohärenzstiftend beschreiben lassen. In Verbindung mit einem DFG-Projekt wird die kognitive und emotionale Rezeption und Bewertung von Medienmeldungen über Umweltschadensfälle untersucht. Zukünftige Arbeiten werden sich voraussichtlich einerseits auf die Wirkung früherer Erfahrungen und Gedächtnisfehler konzentrieren, andererseits auf Bewertungsprozesse in Gruppen.



Inhalts- und Kontexteffekte beim schlußfolgernden Denken allgemein (Hans Spada) und speziell beim räumlichen Schließen (Gerhard Strube)

Bei Aufgaben zum deduktiven Denken beeinflußt die inhaltliche Einkleidung stark die Art der Lösung. Derartige Inhalts- und Kontexteffekte werden häufig als Beleg dafür angeführt, daß Menschen nicht logisch denken. Die wissenspsychologische Analyse eröffnet für diese Fragen einen neuen Zugang. Erste empirische Befunde und Modellierungen am Beispiel der Wahlaufgabe von Wason zeigen, daß der Mensch in Verbindung mit dem Inhalt einer deduktiven Aufgabe massiv auf sein Hintergrundwissen zurückgreift und dieses zumeist durchaus logisch korrekt im Schlußfolgern einsezt. Inhaltliches Wissen und logisches Denken sind somit keineswegs in einem Gegensatz zu sehen. Das Vorhaben stützt sich auf eine bereits abgeschlossene Promotion (Beller). Das Projekt "MeMoSpace" hat speziell Schlußfolgern mit Hilfe räumlicher Relationen als Thema; auch hierbei zeigen sich Inhalts- und Kontexteffekte, die künftig näher untersucht werden sollen.



Kindliches Denken über das eigene Wissen und das Wissen anderer

Hans Spada in Kooperation mit Klaus Opwis

Die Modellierung falscher Überzeugungen bei Kindern eröffnet eine neue Perspektive auf gängige Defizithypothesen zum kindlichen Denken. Operationale und repräsentationale Defizite dienen zur Erkärung der Befunde, daß jüngere Kinder Schwierigkeiten haben, anderen Personen oder sich selbst zu früheren Zeitpunkten Überzeugungen zuzuschreiben, die von der momentanen eigenen abweichen. Da diese Kompetenz von größter Bedeutung für das Vorhersagen und Erklären von Verhalten ist, hat sie viel Aufmerksamkeit erhalten. Aufbauend auf einer bereits abgeschlossenen Dissertation (Wichmann) sollen die kognitive Modellierung der operationalen und repräsentationalen Anforderungen an das kindliche Denken und ihre empirische Überprüfung weitergeführt werden.

Schwerpunkt 2: Problemlösen und Handlungsplanung

Heuristische Suche und wissensbasiertes Problemlösen besitzen für die Künstliche Intelligenz wie für Teile der Denkpsychologie konstitutiven Charakter. Nach wie vor kommen Verbesserungen von Suchalgorithmen, z.B. hinsichtlich unsicherer Information, hohe theoretische wie praktische Bedeutung zu. Hinzu treten Fragen der flexiblen Verfügbarkeit des für bestimmte Problemlösungen geeigneten Wissens und der Planung von Lösungen. Daneben haben sich in jüngster Zeit vor allem Problemlösen und Planen im Kontext situierter, autonomer Agenten als Kerngebiet der künstlichen Intelligenz und von angewandter Forschung im Bereich integrierter Mensch-Maschine-Systeme herausgestellt.

"Intelligente" heuristische Suche (u.a. Duplikatselimination), Anwendung auf die Protokollverifikation

Thomas Ottmann

Hier geht es um die Exploration großer Zustandsräume, wie sie z.B. bei NP-harten Suchproblemen in der KI auftreten, z.B. bei Einpersonenspielen, aber auch in der Verifikation von Kommunikationsprotokollen, beim automatischen Beweisen und bei der Steuerung von Robotern. Ausgehend von einem Startzustand ist ein Zielzustand gesucht. Übergangsregeln (Protuktionen) legen fest, wie man von einem Zustand zu möglichen Nachfolgezuständen kommen kann. Das modelliert man durch implizit gegebene Graphen, in denen nach einem Start-Ziel-Weg gesucht wird. Weil es in der Regel möglich ist, denselben Zustand auf sehr vielen möglichen Wegen zu erreichen, ist es wichtig, solche "Duplikate" rechtzeitig zu erkennen, um den Suchraum beschränken zu können. Wir interessieren uns daher besonders für Strategien zur Duplikatselimination und Explorationsverfahren, die mit einem Speicher vorgegebener fester Größe auskommen. Ferner sollen Strategien zum Lernen von Heuristiken und zur aktiven Veränderung des Suchraumes, z.B. durch Interaktion mit der Umgebung, untersucht werden.



Flexible Verfügbarkeit über qualitatives und quantitatives Wissen beim Lösen von Physik-Aufgaben

Hans Spada und Rolf Plötzner

Flexibilität beim Problemlösen und Lernen hängt wesentlich davon ab, ob der Mensch verschiedene Repräsentationen des Gegenstandsbereichs verfügbar hat und koordiniert einsetzen kann. Am Beispiel einer qualitativen konzeptuellen und einer quantitativen Repräsentation des physikalischen Schulwissens zur klassischen Mechanik wird empirisch und mit den Methoden der kognitiven Modellierung geprüft, unter welchen Bedingungen umfassende und flexible Problemlösungen möglich und positive Lernergebnisse zu erwarten sind. Die Modellierung des Problemlöseverhaltens wird auch zur Entwicklung von Lehr- und Testmaterialien eingesetzt.



Zielmanagement und Handlungsplanung

Bernhard Nebel & Gerhard Strube

Zielmanagement ist im Kontext der "neuen" KI und der auf kognitive Systeme fokussierenden Kognitionswissenschaft ein zentrales Forschungsgebiet. Handlungsplanung findet seit einigen Jahren wieder viel Interesse in der KI, da neuere Planungsalgorithmen auch Probleme realistischer Größe lösen. Wichtige Forschungsprobleme in diesen Gebieten sind dabei der Umgang mit multiplen und häufig konfligierenden Zielen, die Erweiterung existierender Planungsansätze, um auch ausdrucksstarke Planungsformalismen behandeln zu können, der Umgang mit unsicherer und dynamisch sich ändernder Information, insbesondere in dynamischen Umgebungen mit variablen Anforderungen, beispielsweise in Umgebungen mit mehreren Akteuren (Multi-Agenten-Systemen).


Heuristische Suche bei unsicherer Information

David Basin

Probleme mit unsicherer Information tauchen in vielen Gesellschaftsspielen, in denen der 'aktuelle Zustand der Welt'  unbekannt ist, auf. Anhand des Kartenspiels Bridge untersuchen wir, wie Menschen Spiele mit unvollständiger Information spielen. Bisher haben wir verschiedene Modelle entwickelt, die Annahmen formalisieren, wie sie von sehr guten Spielern bei der Analyse von Spielsituationen gemacht werden. Mit einem spieltheoretischen Ansatz konnten wir zeigen, daß Gleichgewichtspunktstrategien für diese Modelle existieren. Die Suchprobleme haben im allgemeinen eine sehr hohe Komplexität (NP-hart) und benötigen daher heuristische Ansätze. Die Entwicklung, Analyse und das Testen solcher Algorithmen ist ein wesentlicher Teil unserer gegenwärtigen Forschung. Unser Bridge spielendes System"Finesse" ist eine Plattform zum Testen derartiger Algorithmen. Gegenwärtig kann damit eine Analyse von Bridgespielen erzeugen werden, die mit der Qualität einer von sehr guten Spielern durchgeführten Analyse vergleichbar ist.

Schwerpunkt 3: Erwerb und Vermittlung von Wissen

Von theoretischer wie auch ganz wesentlich praktischer Bedeutung sind Fragen des Erwerbs und der gezielten Vermittlung von Wissen. Die moderne Wissenspsychologie übergreift hier die Bereiche der allgemeinen und der pädagogischen Psychologie. Zwei Bereiche stehen im Mittelpunkt der aktuellen Forschung: Die Analyse individuellen Wissenserwerbs wird neuerdings auch verstärkt durch Untersuchungen kooperativen Lernens ergänzt. Im technischen Bereich ist man bemüht, leistungsfähige Methoden des automatischen Wissenserwerbs zu entwickeln, wobei besonders der Wissenserwerb aus Texten ein Desiderat darstellt.

Multimediale Lehr-Lern-Systeme

Thomas Ottmann

Hier geht es um die Integration von Life-Vortrag und Telepräsentation, und um das Erzeugen eines Multimedia-Dokuments für Offline-Nutzung. Ein wichtiges Instrument dazu ist ein hinreichend mächtiges und komfortables Whiteboard als elektronischer Ersatz für Tafel und Overheadprojektor, das es erlaubt, Folien zu erzeugen, zu laden, zu verändern, zu markieren und zu kommentieren, Bilder zu laden und Animationen und Simulationen zu starten und zu kontrollieren. Um Telepräsentationen zu ermöglichen, muß es multicastfähig sein, und schließlich müssen die vom Whiteboard erzeugten Datenströme aufgezeichnet und so weiterverarbeitet werden, daß eine Synchronisation aller Datenströme und wahlfreier Zugriff möglich werden. Um die angemessene Funktionalität zu erreichen, soll die multimediale Aufbereitung von Inhalten und die Entwicklung von Werkzeugen dazu parallel vorangetrieben werden. Wir interessieren uns in diesem Zusammenhang auch dafür, wie nach dem Authoring-on-the-fly-Verfahren erzeugte Dokumente in multimediale Lehr-Lern-Umgebungen integriert und im Hochschulunterricht genutzt werden können.



Wissenserwerb und Wissensvermittlung beim kooperativen, auch rechnergestützten Lernen

Hans Spada und Rolf Plötzner

Traditionelle Unterrichtsformen haben häufig eine unzureichende intellektuelle Durchdringung und mangelnde Anwendbarkeit des Lernstoffs zur Folge. Wie können aber Lernumgebungen gestaltet werden, so daß Lernende zu aktiven Konstrukteuren ihres Wissens und zu kompetenten Anwendern ihrer Kenntnisse werden? Eine Möglichkeit wird in der Gestaltung kooperativer rechnergestützter Anordnungen gesehen. In diesem Zusammenhang ergeben sich zum Beispiel die folgenden Fragen: Wie können kooperative Formen des Lernens und Rechnerunterstützung verbunden und aufeinander abgestimmt werden? Welche Rollen können Personen und intelligente Rechnerkomponenten in einer kooperativen, verteilten Lernumgebung einnehmen? Dieses Vorhaben steht mit DFG-Projekten in Verbindung, in denen Problemlöseprozesse in der Physik und der Informatiosaustausch beim kooperativen Lernen modelliert werden.



Automatische Wissensakquisition aus Texten; "intelligentes" Text-Mining und Textklassifikation im medizinischen Bereich

Udo Hahn

Die Aktivitäten in diesem Bereich zielen auf die Adaption und Erweiterung vorgegebener Domänenwissensbasen durch automatisches Lernen aus Texten. Neben methodischen Fragen (etwa einem qualitativen Bewertungssystem für die Glaubwürdigkeit von Lernhypothesen, das mittlerweile auch auf die Verwaltung von Ambiguitäten ausgeweitet wurde, stehen nach Anforderungsstärke gestufte Anwendungsaspekte im Mittelpunkt der Arbeiten. Hierzu zählen einerseits traditionelle Informationsdienste wie die automatische Textklassifikation, zunehmend aber auch neuartige Applikationen wie das ,"ntelligente" Text-Mining von Fakten, Propositionen und Bewertungen.



Computergestütztes mathematisches Beweisen

David Basin

Eine im Schnittfeld von Psychologie, Mathematik und künstlicher Intelligenz liegende Fragestellung ist,  welche Heuristiken und Techniken benutzt werden können, um dabei zu helfen, mathematische Schlüsse zu finden und formal zu überprüfen. In unserer Forschung untersuchen wir, wie solche Verfahren in Systemen formalisiert werden können. Die Heuristiken sollen den Benutzern helfen, Theoreme, die typischerweise in der universitären Mathematikausbildung auftreten (z.B. diskrete Mathematik, Algebra, Analysis), zu beweisen.
Im folgenden sind einige der Forschungsaufgaben skizziert:
Es muß auf die logischen Grundlagen der Formalisierung von Mathematik und die Realisierung dieser Grundlagen in computerunterstützten Werkzeugen wie etwa die sogenannten logischen Rahmen Bezug genommen werden. Es wird der Frage nachgegangen, wie ein Benutzer ein System anleiten kann, Beweise zu finden oder zu überprüfen. Die Arbeit im automatischen Beweisen betont typischerweise Semientscheidungsverfahren, die auf reinen Suchverfahren beruhen  (z.B. Resolution), während unser Interesse vor allem in der Entwicklung von Techniken liegt, mit denen Menschen die Suche leiten können; dabei wird entweder deklaratives Wissen, z.B. durch Vorschlagen von Lemmata, die zu einem Theorem führen, oder prozedurales Wissen, z.B. durch Vorgabe von Strategien zur Beweiskonstruktion, genutzt. Es werden Strategien zur Assistenz in speziellen mathematischen Problembereichen entwickelt. In der Vergangenheit haben wir Fortschritte in der Formalisierung von Heuristiken gemacht, die sowohl für Menschen als auch für Maschinen beim Beweisen mit mathematische Induktion nützlich sind. Schließlich ist auch die Analyse fehlgeschlagener Beweissuche von Interesse. Menschen und Maschinen können einen Dialog über ihre Vermutungen zur erfolgreichen Beweisdurchführung oder über Probleme, die während der Beweiskonstruktion aufgetreten sind, führen.



Desweiteren ist folgendes Forschungsthema in diesem Bereich geplant:

Teilthema 2: Sprachverarbeitung

Die Forschungen des Schwerpunktes Sprachverarbeitung konzentrieren sich auf die Bereiche der Wortformverarbeitung sowie der Verarbeitung von Sätzen und zusammenhängenden Texten. Auf diesem Teilgebiet sind in den letzten Jahren zahlreiche Verarbeitungsprinzipien vorgestellt worden. Doch mangelt es im psycholinguistischen Bereich noch an implementierten Modellen, die über die syntaktische Analyse hinausreichen. Neuerdings hat eine heftige Diskussion um die Rolle des Arbeitsgedächtnisses begonnen, für die psycho- wie neurolinguistische Beiträge relevant sind. In der Computerlinguistik sind bereits große Fortschritte erzielt worden, doch bestehen noch Schwierigkeiten bei relativ häufigen Phänomenen wie z.B. Metonymien und Metaphern.

Syntaktische Analyse und verbales Arbeitsgedächtnis bei Aphasie (Jürgen Dittmann) und bei Normalprobanden unter Gedächtnisbelastung (Gerhard Strube)

Patienten mit pathologischer Beeinträchtigung des verbalen Arbeitsgedächtnisses nach Hirnschäden weisen immer auch verminderte Leistungen bei der Sprachproduktion, dem Satznachsprechen, Satz- und Textverstehen auf, wobei der Zusammenhang zwischen diesen Beeinträchtigungen unklar ist.

Projekte Dittmann:

Testinstrumente wurden entwickelt und werden z.Zt. an Normalprobanden normiert. Im Kontext des Projekts SOUL-M wird u.a. untersucht, ob eine experimentelle Belastung des Arbeitsgedächtnisses zu analogen Beeinträchtigungen der Sprachverarbeitung führt.


Phonetische Abweichungen bei flüssiger und nicht-flüssiger Aphasie

Jürgen Dittmann

Im Rahmen der Forschungen zu aphasischen Störungen der Wortproduktion wurde ein Modell der Repräsentation von Wortformen als Scores artikulatorischer Gesten für das Deutsche ausformuliert und in Zusammenarbeit mit der Abt. Experimentalphonetik auf die akustisch-phonetische Analyse der Einzelwortäußerungen von Normalprobanden und Aphasikern angewendet. Es zeigt sich, daß eine vollständige, widerspruchsfreie Beschreibung sowohl der artikulatorischen Varianz in den Äußerungen von Normalprobanden als auch des kompletten Fehlmusters in den aphasichen Äußerungen mittels dieses "gestalen" Modells möglich ist. Geplant ist die Anwendung des Modells auf die Konzeption von Diagnoseinstrumenten und in einem klinisch orientierten Multimedia-Projekt zum Einsatz PC-gestützter Lernumgebungen in der Aphasietherapie.



Analyse und Modellierung menschlicher Satzverarbeitung

Gerhard Strube

Im Rahmen der SOUL-Projekte wurde eine Theorie menschlicher Syntaxanalyse sowie der weiteren semantischen Interpretation bei der Rezeption sprachlicher Äußerungen einschließlich implementierter Computermodelle erarbeitet, die im gegenwärtig laufenden Projekt vor allem hinsichtlich der Integration thematischer, morphologischer und syntaktischer und Frequenz-Information beim Lesen erweitert wird. Insbesondere haben Anbindungspräferenzen in Bezug auf Relativsätze sich als hochinteressanter Phänomenbereich erwiesen, der in Kooperation mit Kollegen in England, Italien und Spanien untersucht wird.



Maschinelles Text-Parsing natürlicher Sprache

Udo Hahn

Im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms "Kognitive Linguistik" wurde eine Performanzgrammatik für das Deutsche sowie ein entsprechender Performanz-Parser auf der Grundlage dependentieller Konstrukte entwickelt. Neben der Integration deklarativen und prozeduralen Wissens im Rahmen eines robust ablaufenden Parsing-Prozesses zielt diese Konzeption auch auf die unmittelbare Berücksichtigung von Textstrukturen in den Grammatikbeschreibungen und beim Parsing-Verfahren.



Non-Standard-Probleme der semantischen Textinterpretation

Udo Hahn

Analysen in diesem Bereich zielen auf die Behandlung bildhafter Sprache (vor allem Metonymien und ihrer Interaktion mit anderen, anaphorischen Textphänomenen) und der Interpretation von Bewertungsäußerungen durch Adjektive. Es zeigt sich, daß die zugrundeliegenden Interpretationsprozesse nicht ohne weitgehende terminologische Modellierung und klassifikationsbasiertes Schlußfolgern behandelt werden können.


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 04.10.1999