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Praktikum III

Formalia

Termin und Ort: Mo, 14-16 Uhr und n.V., PR 3005 (Praktikumsraum 3. Etage)
Erstes Treffen: Mo, 31.10.2005

Das Praktikum erstreckt sich über zwei Semester mit jeweils 2 SWS im WS und 2 SWS im darauffolgenden SS (Praktikum IV). Die Lehrveranstaltung im WS dient der theoretischen Erarbeitung der Fragestellung und der Planung eines Experiments. Die Durchführung und Auswertung des Experiments erfolgen dann im SS. Es arbeiten jeweils Gruppen von drei StudentInnen zusammen an einem Thema.

Ziel: Vermittlung experimentalpsychologischer Grundkenntnisse als Voraussetzung für selbständige Planung, Durchführung, Interpretation und Kritik einer empirischen Untersuchung.
Inhalt: Praktische Durchführung sämtlicher Stadien der Versuchsplanung und Durchführung vom Literaturstudium bis zur Abfassung eines Forschungsberichts.
Anmeldung: Zuteilung von Praktikumsplätzen am Beginn der ersten Vorlesungswoche in einer gemeinsamen Sitzung mit Unterstützung der Fachschaft. Bitte Aushang beachten!
 

    > Teilnahmevoraussetzung: Hauptfach Psychologie, Scheine über Statistik I und II
    > TeilnehmerInnen-Beschränkung: 15 pro Kurs
    > Leistungsnachweis: Pflichtschein

 

 

Themen

Achtung: Zuordnung zu den Themen in der ersten Sitzung am 31.10.2005, 14 Uhr, PR 3005

  1. Stereotype – Verarbeitung gemeinsamer Attribute

Menschen sind anhand mehrerer sozialer Stereotype kategorisierbar: man kann eine weibliche Automechanikerin als Frau oder als Automechaniker(in) einordnen. Wählt man eine Kategorie, so wird die andere mögliche Kategorie unterdrückt. Die Stereotypen-Forschung hat gezeigt, dass Attribute, die mit der ausgewählten Kategorie verknüpft sind, leichter verarbeitet werden, während Attribute, die mit der unterdrückten Kategorie verknüpft sind, weniger leicht verarbeitet werden (Macrae, Bodenhausen & Milne, 1995). Sieht man die weibliche Automechanikerin als Frau, erkennt man z.B. das Wort „Spiegel“ schneller und das Wort „Motor“ langsamer als in einer Kontrollbedingung. Es soll die Fragestellung untersucht werden, welche Effekte die Auswahl der einen und die Inhibierung der anderen Kategorie für solche Attribute haben, die von beiden Kategorien geteilt werden (geeignete Stereotypen und Attribute müssen in einem Vortest identifiziert werden).

  • Macrae, C. N., Bodenhausen, G. V., & Milne, A. B. (1995). The Dissection of Selection in Person Perception: Inhibitory Processes in Social Stereotyping. Journal of Personality and Social Psychology, 69(3), 397-407.

 

  1. Vergleichsprozesse in sozialen Urteilen

Wenn wir uns selbst oder andere Menschen beurteilen, tun wir dies meist in Bezug zu einem Vergleichsstandard: Schätze ich eine Zielperson als freundlich ein, so bedeutet das in etwa ‚freundlicher als die meisten Menschen’. Die Wahl des Vergleichsstandards beeinflusst unser Urteil: nach einem Vergleich mit einem sehr unfreundlichen Menschen wirkt die Zielperson freundlicher als nach einem Vergleich mit einem sehr freundlichen Menschen. Auch die Art der stattfindenden Vergleichsprozesse beeinflusst das Urteil: wenn man überwiegend Gemeinsamkeiten einer Zielperson mit einer sehr freundlichen Vergleichsperson bemerkt, erscheint sie freundlicher, als wenn man hauptsächlich Unterschiede feststellt. Das Modell der selektiven Zugänglichkeit (Mussweiler, 2003) nimmt an, dass diese Vergleichsprozesse automatisch ablaufen. Im Praktikum soll diese Annahme geprüft werden.

  • Mussweiler, T. (2003). 'Everything is relative': Comparison processes in social judgment The 2002 Jaspars Lecture. European Journal of Social Psychology, 33, 719.
  • Mussweiler, T., & Strack, F. (1999). Hypothesis-consistent testing and semantic priming in the anchoring paradigm: A selective accessibility model. Journal of Experimental Social Psychology, 35, 136-164.

 

  1. Verarbeitungsstrategien im Bereich der Glaubwürdigkeitsbeurteilung

Im Rahmen verschiedener Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass wenn Menschen die Glaubwürdigkeit einer Internetseite, eines Zeitungsartikels oder einer Zeugenaussage beurteilen sollen sie, je nachdem für wie wichtig sie ihr Urteil erachten, unterschiedliche Strategien bei der Glaubwürdigkeitsbeurteilung wählen. Theoretisch modelliert werden diese Strategien beispielsweise im Elaboration-Likelihood-Model. Im Rahmen dieses Modells werden zwei Routen oder Strategien der Verarbeitung unterschieden und zwar die zentrale und die periphere Route (z.B. Petty & Cacioppo, 1986).

Auf Glaubwürdigkeitsurteile bezogen folgt daraus, dass wenn das Urteil eine hohe Relevanz besitzt soll eher die zentrale Route der Informationsverarbeitung gewählt werden. Daraus lässt sich ableiten, dass sich diese Personen mehr Gedanken über den Inhalt von Aussagen machen. Bei niedriger Relevanz soll dagegen die periphere Route der Informationsverarbeitung gewählt werden. Bei der Wahl dieser Route, sollen somit eher Merkmale der Quelle für die Glaubwürdigkeitsbeurteilung herangezogen werden.

Im Praktikum soll untersucht werden, inwieweit sich die Relevanz des Urteils darauf auswirkt, welche Merkmale zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit herangezogen werden und ob diese Merkmale im Sinne der Theorie eher für eine zentrale oder periphere Verarbeitung sprechen.

  •  Petty, R. E. & Cacioppo, J. T. (1986). The elaboration likelihood model of persuasion. Advances in Experimental Social Psychology, 19, 123-193.

 

  1. Indirekte Einstellungsmessung

Erfragte Einstellung und beobachtetes Verhalten können stark voneinander abweichen, wenn die befragten Personen keine ‚wahre’ Auskunft über ihre Einstellungen geben wollen (Effekte der sozialen Erwünschtheit) oder es nicht können (keine Zugänglichkeit). Dieses Problem versucht man unter anderem mit indirekten Verfahren zu lösen (Fazio & Olson, 2003).
Ein indirektes Verfahren, das sich in jüngerer Vergangenheit großer Beliebtheit erfreut und in zahlreichen Kontexten Anwendung findet, ist der Implicit Association Test (IAT; Greenwald, McGhee, & Schwartz, 1998). Zahlreiche Modelle verschiedener Autoren legen allerdings nahe, dass der IAT nicht ausschließlich Assoziationen misst, sondern darüber hinaus weitere Artefakte, die die Interpretation von IAT-Effekten erschweren (Mierke & Klauer, 2003). Im Praktikum soll deswegen eine neu entwickelte Variante des IAT hinsichtlich ihrer psychometrischen Eigenschaften in einem geeigneten Inhaltsbereich getestet werden.

  • Fazio, R. H., & Olson, M. A. (2003). Implicit measures in social cognition research: Their meaning and use. Annual Review of Psychology, 54, 297-327.
  • Greenwald, A.G., McGhee, D.E., & Schwartz, J.L.K. (1998). Measuring individual differences in implicit cognition: The Implicit Association Test. Journal of Personality and Social Psychology, 79, 1022-1038.
  • Mierke, J., & Klauer, K. C. (2003). Method-specific variance in the Implicit Association Test. Journal of Personality and Social Psychology, 85, 1180-1192.

 

  1. Einfluss von Bearbeitungsstrategien bei impliziten Einstellungstests

Bei der Erfassung bestimmter Einstellungs- und Persönlichkeitsmasse im direkten Selbstbericht sehen sich Verhaltenswissenschaftler oft mit einer Anzahl von Biasen konfrontiert. Als mögliche Abhilfe wurden in den letzten Jahren eine Reihe impliziter Einstellungsmasse entwickelt, von denen der Implicit Association Test (IAT, Greenwald, McGhee & Schwartz, 1998) eines der meist beachteten ist. Hierbei sollen am Computer dargebotene Reize schnellstmöglich korrekt klassifiziert werden.
Auch bei der Bearbeitung des IATs ist es wahrscheinlich, dass Teilnehmer verschiedene Strategien anwenden, um das Verfahren besonders „gut“ bearbeiten zu können. Im geplanten Versuch soll der Einfluss bestimmter Bearbeitungsstrategien gezielt untersucht werden. Es soll geklärt werden, wo diese wirken und welchen Einfluss sie auf die Vorhersage eines Außenkriteriums haben.

  • Greenwald, A. G., McGhee, D. E., & Schwartz, J. L. K. (1998). Measuring individual differences in implicit cognition: the implicit association test. Journal of Personality and Social Psychology, 74, 1464–80.

 

 

Achtung: Zuordnung zu den Themen in der ersten Sitzung am 31.10.2005, 14 Uhr, PR 3005

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